Lastgrenzraster und Kennbuchstaben

      Lastgrenzraster und Kennbuchstaben

      Hallo alle,

      in der ersten Unterrichtseinheit zum Wagenprüfer herrschte leider einige Unklarheit. Wir haben eine Tabelle der Kennbuchstaben die mit dem Schenker-Dokument hier übereinstimmt: gueterwagenkatalog.rail.dbsche…aben_fuer_gueterwagen.pdf

      Dort heißt es auf Seite 1
      In den nachfolgenden Tafeln
      • beziehen sich die Angaben in Meter auf die Nutzlänge der Güterwagen (lu),
      • entsprechen die Angaben in Tonnen (tu) der höchsten Lastgrenze, die in der Ladegewichtstabelle
      des betrachteten Wagens angegeben


      Und dann, z.B. für einen Tanoos,

      n: mit 2 Radsätzen: tu > 30 t, mit 4 Radsätzen: tu > 60 t, ...


      Unser Dozent meint nun, der Wagen sei im konkreten Fall "4 Radsätze" mit maximal 60 Tonnen zu beladen (?) ... naja, erstens heißt es ja "tu GRÖSSER ALS soundsoviel Tonnen" und zweitens weiß leider niemand so recht was mit den Angaben "tu" und "lu" anzufangen, auch nicht der Dozent.

      Wie genau ist das also zu verstehen, wenn z.B. obiges zu lesen ist oder so etwas wie
      18 m <= lu < 22 m; 50 t <= tu < 60 t


      Die mathematischen Vergleichszeichen (kleiner, kleiner gleich, usw.) sind dabei vollkommen klar.

      Hoffentlich findet da jemand aufklärende Worte :)
      Viele Grüße

      Dennis

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      Was lu und was tu ist, hast du ja schon selbst geschrieben. Die Nutzlänge bzw. Lastgrenze des Wagens.

      Am Bsp. des Tanoos Wagens haben wir zunächst einmal einen Wagen der Gattung "T". Ein vierachsiger T-Wagen hat, wenn nichts abweichend angegeben ist, eine Nutzlänge lu von 15 bis (<)18 Metern und eine Lastgrenze von 50 bis max. 60 Tonnen. Das wäre z.B. beim Taoos-Wagen der Fall.

      Da wir nun hier noch ein "n" als Kennbuchstaben haben, weicht unser Wagen vom Bezugswagen durch das folgende Merkmal ab: bei einem vierachsigen Wagen, liegt die Lastgrenze bei >60 t.

      Beim Tanoos-Wagen scheint also das Zuladevermögen größer zu sein, als beim Taoos-Wagen, obwohl beide eine ähnliche Nutzlänge haben. Schaut man sich die Daten der Fahrzeuge im Güterwagenkatalog von DB Schenker an, bestätigt sich diese Annahme:

      Güterwagenkatalog DB Schenker - T-Wagen

      Der Taoos-Wagen hat eine Lastgrenze von 55,5 t. Für ihn ergibt sich daher unter den gegebenen Umständen (Abmessungen des Fahrzeuges, Achszahl, Achsabstände, ...) nie die Notwendigkeit des Einsatzes auf Strecken der Streckenklasse D oder größer. (Er darf natürlich gern auf 'besseren' Strecken laufen, es ist jedoch nicht zwingend notwendig.) Beim Tanoos-Wagen liegt die Lastgrenze bei etwa 66t. Wird er wirklich so beladen, muss er auf Strecken der Streckenklasse D fahren. Ist eine niedrigere Streckenklasse zwingend erforderlich (auf Grund des Laufweges, der nicht anders sein kann), darf der Wagen nicht voll beladen werden.

      Die Einteilung der Strecken wiederum hängt von vielen Faktoren ab und führt am Ende zu zwei maßgebenden Größen: der Meterlast und der Radsatzlast. Einschränkungen für die Streckenklasse können z.B. Brücken, Tunnel oder einfach die Beschaffenheit des Oberbaues sein.

      Wikipedia - Streckenklasse

      Neben der reinen technischen und betrieblichen Relevanz, ist dieses Thema vor allem für die Ermittlung und Berechnung der Trassengebühren wichtig. Man kann immer eine hohe Streckenklasse bestellen und fährt dann auf den "Premiumstrecken", zahlt aber auch "Premium".
      Danke für diese lehrbuchreife Erklärung. Das meiste war mir im Prinzip sonnenklar, für Verwirrung sorgte der Dozent eben mit der schwammigen Aussagen zu den < und > ... außerdem musste der Stoff halt eben doch erst mal sacken. Für was das "u" in "lu" und "tu" steht, weißt Du das? Aus einer anderen Tabelle geht hervor dass das "u" für UIC stehen könnte?!

      Herzlichen Dank nochmal für die Antwort, die mache ich für mich in Gedanken mal "sticky" ;)
      Viele Grüße

      Dennis
      Für was das "u" steht, kann ich ehrlich gesagt gar nicht sagen. UIC könnte vielleicht sein, aber macht auch nicht wirklich Sinn. Natürlich ist alles irgendwie von der UIC niedergeschrieben, dann müsste ja alles immer ein "u" haben.

      Die Kennzeichnungsregeln für Güterwagen finden sich im UIC Kodex 438-2 wieder.

      UIC Kodex 438-2

      Ich würde das "u" als solches jetzt einfach mal ignorieren und als gegeben hinnehmen. In der Schule hat man sich ja auch keine Gedanken gemacht, warum die Geschwindigkeit nun gerade ein "v" bekommt. (Wobei das natürlich auch seinen Sinn hat, das steht für "velocity".) Wie pflegte mein Air Law Dozent immer zu sagen: "Actually, nobody knows..."

      Je nach dem was für eine Ausbildung du gerade machst, wirst du diese Dinge wahrscheinlich nie wieder brauchen in deiner späteren Laufbahn. Das Lastgrenzenraster schon eher. Die Bezeichnungen der Wagen sind aber in der Regel einmal (richtig) getroffen und bleiben auch so. Von daher nice to know, mehr aber auch nicht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „EDDC“ ()

      Original von EDDC
      (Wobei das natürlich auch seinen Sinn hat, das steht für "velocity".)

      Dann lassen wir doch hier das "u" vielleicht für "usable" (sprich: nutzbar) stehen? ;)

      Apropos "nice to know" sind die Wagenbauarten gerade als Güterzuglokführer allemal.
      Deswegen:
      Regelbauarten
      G O R K E

      Sonderbauarten
      F I L Z H U T
      Liebe Grüße
      Benjamin
      Hm, usable sollte Sinn machen. Ich trau nur dem Frieden mit der UIC nicht so was englische Begriffe angeht. Seit wann redet man bei der Eisenbahn Englisch? Am Liebsten ja Französisch... Für was stehen dann l und t davor? l für length und t? Lastgrenze wäre "load limit". Tonnage? Wäre aber eigentlich nicht mehr ganz passend. Aber im Prinzip ja auch egal.

      Wagenbauarten zu wissen steht außer Frage, aber nicht jeden Kennbuchstaben der dann zu einer höheren zulässigen tu führt. Das ist mit Kanonen nach Spatzen geschossen. Wenn Lokführer mal so gut sind, dass sie sonst nicht mehr wissen was sie noch lernen könnten, dann gerne. Bis dahin sollten sie aber erst einmal die Basics begreifen. Da wäre ich schon froh.

      Im Deutschen hast du Recht, da berufen wir uns auf das lateinische Wort. Der Engländer macht sich diese Mühe aber nicht. (Hat er auch nicht nötig, sein Wort für Geschwindigkeit ist eh dem Lateinischen abgeleitet, dafür haben die Römer damals schon gesorgt.) Darum hat der es etwas einfacher mit den ganzen Formelzeichen. F ist force, m ist mass, a ist acceleration und schon haben wir Newtons second law of motion zusammen ohne groß Formelzeichen abspeichern zu müssen. Dafür kann man sie nur beneiden. :) Wir sind die Dummen, die darüber nachgrübeln müssen, ob u nun usable heißt oder nicht. :/

      @Aviation: Ja, da bin ich "verbandelt".
      Nein, jeder Kennbuchstabe wäre zu viel.
      Aber z.B. bei Fcs, Facns und Fans ist es hilfreich, da ich dabei schonmal weiß, ob 2- oder 4-achsig oder sogar seitenkippbar ;)
      Das ist aber auch Erfahrungssache und abhängig davon, wie viel man mit diesen Wagen zu tun hat.
      Grundsätzlich ging es mir auch um die Wagenbauarten und nicht deren Bauformen.
      In dem Moment, wo du auf der Strecke unferwegs bisf, ist es nahezu irrelevant, was da hinten dran hängt, da muss man mehr wissen als die Bauarten.
      Erstmal Grundwissen, das ist wichtig, da geb ich dir recht.

      Und bezüglich der physikalischen Bezeichnungen: einfach als gegeben hinnehmen ;) wie die Wagenbauarten...
      Liebe Grüße
      Benjamin
      Und bezüglich der physikalischen Bezeichnungen: einfach als gegeben hinnehmen ;) wie die Wagenbauarten...

      Hilft aber oft dem Verständnis und der "Merkbarkeit". Nur den (englischen?) Bezeichnungen der UIC (die ja bekanntermaßen die "Union internationale des chemins de fer" ist) traue ich nur so weit, wie ich einen Güterwagen werfen kann... Hoch lebe die ICAO! xD