Mein Wechsel zum Fernverkehr

      Mein Wechsel zum Fernverkehr

      Hallo zusammen,

      da mich mittlerweile einige der Kollegen meiner ehemaligen Einsatzstelle gefragt haben, ob ich es bereue zum Fernverkehr gewechselt zu sein, möchte ich euch auch mal von meinen Erfahrungen berichten ;)

      Kurzer Hintergrund: EiB-Ausbildung von 09/2010 bis 01/2013 (vorgezogene Abschlussprüfung) bei DB Schenker Rail, wegen mangelhaftem Übernahmeangebot als Lrf wechselte ich die Einsatzstelle (nun: Würzburg Rbf) und erhielt da noch - neben der Baureihe 294 - die Ausbildung und Berechtigung zum Führen der Baureihe 232/233.
      Urplötzlich sollte dann aber aus einem Jahr als Lrf mindestens 3 Jahre werden, bevor ich als Tf, was immer angestrebtes Ziel war, weitermachen können dürfte...
      Also wieder zurück in die Heimat, gelockt von dem Versprechen noch ein halbes Jahr als Lrf aushelfen zu sollen und dann an einer "Weiterqualifizierung" zum Tf teilnehmen zu dürfen.
      An dieses Versprechen konnte sich nach dem halben Jahr niemand mehr erinnern, schriftlich wollte mir auch niemand etwas zusagen und an dieser Stelle griff der Zufall ein.

      Während ich mit dem Standortleiter und dem Personaler von DB Schenker Rail noch Diskussionen führte, erhielt ich einen Anruf von meinem jetzigen Gruppenleiter bei DB Fernverkehr - diese Bewerbung hatte ich zeitgleich mit der Bewerbung auf "Lrf zu Tf" nach Kassel geschickt, nur hatte ich vom Fernverkehr in der Zwischenzeit nichts mehr gehört.
      Der Gruppenleiter fragte, ob noch Interesse bestünde und ich zögerte mit meiner Antwort nicht lange :)
      Vorstellungsgespräch, Aufhebungsvertrag bei DB Schenker Rail, 3-monatige Sperrfrist und dann war ich zum 01.09.2014 als Tf bei DB Fernverkehr.

      Und nein, ich bereue es nicht!
      Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
      Ich möchte betonen, dass der Kollegenkreis in dem Bahnhof, auf dem ich als Lrf gearbeitet habe, wirklich top war und mir die Arbeit auch Spaß gemacht hat.
      Doch der Umgang der Führungsebene mit jungem, motiviertem Personal gab mir wirklich zu Denken und machte mir auch schwer zu schaffen.

      Mittlerweile fahre ich ICE (401, 402) und IC (101, 120, Steuerwagen) auf einem Streckenkenntnis-Netz, das sich von Kiel bis München und von Berlin bis Karlsruhe erstreckt.
      Ich habe einen wesentlich höheren Arbeitskomfort, eine andere Akzeptanz meiner Arbeit und der Umgang z.B. von Disponenten mit mir hat sich wesentlich verbessert.

      Auf der anderen Seite muss man natürlich auch dazu sagen - was mir jetzt nicht so viel ausmacht -, dass die Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeit zugenommen hat und auch Leerläufe während der Schicht nicht mehr in dem Mas vorhanden sind wie bei meiner Tätigkeit als Lrf.

      Das ist mein kleiner Werdegang. Ich hoffe, ich konnte es schlüssig darlegen und werde nicht falsch verstanden ;)

      In diesem Sinne noch viel Schaffenskraft und allzeit gute Fahrt 8)
      Liebe Grüße
      Benjamin
      Wirklich ein sehr guter Weg den du da gegangen bist.

      Deinen Post auf FB find ich echt Klasse :D
      besonders diese Handbewegung gefolgt von "Tut-tut" kenne ich bereits jetzt schon und das bevor ich meine Ausbildung überhaupt angefangen habe :D

      PS.: Die 101er gehört zu meinen Lieblingsloks :D
      Eis on the Gleis is not Klug for the Zug :D

      RE: Mein Wechsel zum Fernverkehr

      Original von BenjaminR

      Doch der Umgang der Führungsebene mit jungem, motiviertem Personal gab mir wirklich zu Denken und machte mir auch schwer zu schaffen.



      Genau das Gleiche habe ich auch erlebt beim Fernverkehr in Berlin !!! Bei der DB generell habe ich das Gefühl, es wird einem nicht die Chance gegeben, sich richtig zu entwickeln. Ich habe mich jetzt bei diversen Privatbahnen beworben, um endlich als Strecken-Tf arbeiten zu können.
      Mein erster Beitrag hier im Forum und da möchte ich gleich mal dieses Thema hier aufgreifen.

      Ich bin seit jetzt etwa drei Jahren als Tf bei DB Regio unterwegs, habe hier auch die Kurzausbildung absolviert. Auf mittelfristige Sicht möchte ich doch ganz gerne zum Fernverkehr, habe aber aufgrund der Schnellbesohlung natürlich nicht unbedingt alle Module, die ein EiB so mit auf den Weg bekommt. So fehlt mir zum Beispiel der Wagenprüfer oder der Bremsprobeberechtigtenschein (also klar, ich habe das in den Fahrzeugausbildungen natürlich gelernt - aber eine explizite, allgemeine Bremsprobenausbildung haben wir nicht bekommen).
      Ebenso habe ich keine Lok, sondern nur Triebzüge im Schein stehen.

      Wie stehen denn meine Chancen, damit beim Fernverkehr zu landen? Sind das alles Hindernisse oder wie wählt der Fernverkehr seine Leute aus? Vielleicht kann mir ja der Threadersteller und natürlich auch alle anderen mir weiterhelfen. Klar, einfach bewerben und gucken geht immer - aber im Vorfeld schon die Dinge auszuloten finde ich dann doch ganz angenehm. Danke euch!
      Hallo TF_Chris,

      das sind alles keine Hindernisse, dich zu bewerben.
      Wenn es natürlich eine Vielzahl an Bewerbungen gibt, wird mit Sicherheit auch nach den Qualifikationen selektiert.
      Ich bin damals von DB Schenker Rail mit den Baureihen 294 und 232 zum Fernverkehr gekommen - ich hatte damals also noch nicht mal die "technischen Grundlagen E-Tfz", hab ich dann erst beim Fernverkehr gekriegt ;)

      Meine Devise bei solchen Interessen ist immer: bewerben, bewerben, bewerben.
      Mehr als "nein" können sie nicht sagen, du sammelst Erfahrungen und der Arbeitgeber kann deine Hartnäckigkeit erkennen ;)
      Liebe Grüße
      Benjamin