Quereinsteiger Triebwagenführer, ein paar Fragen.

      Quereinsteiger Triebwagenführer, ein paar Fragen.

      Guten Morgen,
      ich interessiere mich für einen quereinsteiger Kurs bei der Bahn.
      Dieser soll 9 Monate dauern, klingt nach viel Arbeit in dieser kurzen Zeit alles nötige zu erlernen um einen Zug mit vielen Menschen erfolgreich und sicher von A nach B zu fahren und womöglich noch mit zwischenstop in C.

      Nun fragen Sie bei der Bahn gleich nach Gehaltsvorstellung, nun im Internet steht was von 38000 - 45000.
      Der Betrag von 38000 kommt mir doch arg mager vor, diese habe ich ja auch so schon unausgebildet im sozialen Bereich ohne Schichtarbeit und 39 Stunden Woche...
      Wie ist hier realistisch anzusetzen?

      Die nächste Frage wo man auch nur ungern während eines Bewerbungsgespräches stellen möchte.
      Ist es in diesem Bereich möglich 4 Wochen zb. Im Frühjahr Urlaub zu bekommen oder gibt's es hier eine Speere auf längeren Urlaub?

      Die nächste Frage ist wie sicher ist dieser Beruf die nächsten Jahre, Autos fahren mittlerweile von alleine und Flugzeuge können dank ILS 3 oder höher schon automatisch landen, wie sieht die Zukunft im Eisenbahn Bereich aus?

      Die letzte Frage ist, wieso findet die Bahn keinen Nachwuchs und verkürzt sogar die Ausbildung auf 9 Monate um genügend Personal zu bekommen. Lokführer ist für viele ein Traum Beruf, wie kann es sein dass es hier an Nachwuchs fehlt, sind die Arbeitsbedingungen so schlecht?

      Viele fragen... Aber ich freue mich auf auf jede Antwort. Vielen Dank! Beste Grüße Nopal
      Guten Abend,

      ich habe nicht die Kurzausbildung absolviert, sondern bin gerade dabei, die dreijährige EiB-Ausbildung zu durchlaufen. Von daher kann ich dir leider keine persönlichen Erfahrungen überbringen, allerdings habe ich von Kollgen gehört, dass das echt nicht Ohne sein soll. Es kommt aber auch sicherlich darauf an, was für ein Lerntyp man ist. Extrem wichtig ist aber, dass man für den Lokführerberuf wirkliches Interesse hat, unabhängig davon, ob man die dreijährige Berufsausbildung oder "nur" die Umschulung wählt. Beide Möglichkeiten, Lokführer zu werden, sind nicht so einfach, wie sich das "Otto-Normalfahrgast" vorstellt. Obwohl die EiB-Ausbildung länger geht, ist sie nicht einfacher, wie oft behauptet wird.

      Zum Gehalt: Die GdL-Tariftabellen findest du hier: uploads.gdl.de/Service/Download-1436352954a.pdf Beachte aber, dass zu den in den Tabellen genannten Zahlen noch Zuschläge kommen, die zum Teil auch steuerfrei sind. Mit dem Gehalt wird man zwar kein Millionär, doch am Hungertuch nagen muss man auch nicht, wobei es auch sehr unterschiedlich nach Lebenssituation ist. Als Single ist der Lohn echt nicht schlecht, aber ein Familienvater von 3 Kindern, evtl. in Extremfällen nur Alleinverdiener, wird wahrscheinlich eine andere Sichtweise haben.

      Wie es konkret mit Urlaub während der Kurzausbildung aussieht, kann ich dir leider nicht sagen, allerdings sind vier Wochen in dieser doch recht kurzen Ausbildung ziemlich lange, ist ja schließlich fast einen Monat. Gibt aber hier genug Leute, die die Umschulung durchlaufen haben und dir das beantworten können müssten.

      Bei der Zukunft des Berufs bin ich zwiegespalten. Einerseits ist es nicht so einfach möglich - wie oft behauptet - , die Eisenbahn zu automatisieren, vor allem nicht flächendeckend. Aber ich bin jetzt erst am Anfang des Berufslebens und habe noch ca. 50 Jahre vor mir (Rente mit 70 wird kommen ;) ). Was in dieser Zeit noch alles passiert, wird wohl niemand genau sagen können, eine flächendeckende Automatisierung ist aber so gut wie ausgeschlossen. Aber viele Tf wechseln im Laufe ihrer Karriere auch woanders hin, z. B. in die Fahrzeugdisposition oder Personaleinsatzplanung. Aber mindestens mittlelfristig ist der Tf-Beruf felsenfest zukunftssicher.

      Warum man nicht ausreichend Nachwuchs findet? Viele Gründe: unregelmäßiger Schichtdienst, recht hohe Anforderungen (wurden mit Einführung der TfV nochmals verschärft), Akademisierung, "Automatisierungstraumvorstellungen der DB", den Bahnfremden dann auch noch Glauben schenken, Schwachsinn von Hören-Sagen ("du musst eh nur fahren und bremsen"), unrealistische Zugsimulatoren (denken dann, so funktioniert der reale Bahnbetrieb), Personenunfälle, und, und, und...

      Viele Grüße! :)
      Hallo ThoreP,

      ja das mit dem lernen ist so eine Sache, ich denke es ist interessant und da fällt einem das Lernen und merken sicher leichter.

      Die Gehaltliste schaue ich mir gleich mal an.
      Ich möchte ja nicht reich werden aber für die Verantwortung und die Schichtarbeit sollte man natürlich auch dementsprechend vergütet werden.

      Beim Urlaub ging es mir eher um die Zeit danach also ob es bei der Bahn möglich ist so lange Urlaub zu machen.
      Bei meinem jetzigen Arbeitgeber geht dies zwar auch aber durch Betriebsferien im August sowie im Sommer sind von den 30 Urlaubstagen eigentlich nur noch 14 frei wählbar, das ist ziemlich nervig wenn man gerne mal 4 Wochen in ein anderes Land möchte.

      Die Zukunft, man liest so einiges aber eigentlich möchte ich selbst auch nicht in einem Zug ohne Führer sitzen der nicht im Notfall mal eingreifen kann.
      Ich finde das eh 2 Lokführer in einen Zug gehören...

      Sind die Simulatoren also Trainsimulator so unrealistisch?
      Der Flugsimulator war früher sehr realistisch oder der Rennsimulator mit i am Anfang.

      Dir vielen Dank für die Aussagekräftige Antwort.

      Beste Grüße
      Nopal
      Moin,

      es gibt diverse Zuschläge, z. B. auch für Arbeit an Wochenenden und Feiertagen, konkrete Zahlen stehen in dem verlinkten Dokument. Je nachdem, ob du viel an Wochenenden oder nachts arbeitest, fällt dementsprechend dein Gesamtgehalt aus. Somit wird das "Unangenehme" schon etwas vergütet, aber die extrem großen Summen sind es nun auch wieder nicht.

      Nach der Ausbildung kannst du ganz normal Urlaub nehmen - wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Die Idee, den Urlaub erst nach der Ausbilung zu nehmen, ist schonmal sehr gut, denn sonst würde man einfach den Anschluss verlieren. 4 Wochen sind problemlos möglich, genauer Urlaubsanspruch müsste auch im Link stehen, wenn ich mich nicht irre.

      Bei der Vorstellung, in einem 300-km/h-Zug ohne Lokführer zu sitzen, der nur von einem Computer gefahren wird, wäre sicherlich auch vielen Fahrgästen etwas mulmig.

      Trainsimulator kenne ich persönlich nicht so gut, doch wirklich realistisch ist eigentlich nur Zusi, der auch von einigen Unternehmen zur Ausbildung eingesetzt wird. Aber die Realität zu 1:1 nachbilden kann er auch nicht.

      Viele Grüße!
      Hi Nopal,

      ich habe den Quereinstieg letztes Jahr angefangen und ich muss dir sagen die Ausbildung ist sehr umfangreich, mann muss definitiv lernen sonst keine Chance..
      Stell dich auf Erwachsenen Bildung ein.

      Die Vergütung:
      In der Ausbildung: 2380€ Brutto + (Zulagen sobald du mit Theorie abgeschlossen hast und in der Praxis mit Praxisvermittler fahren darfst. Ich hatte ein muss von 47 Fahrtagen/ Schichten bevor ich zur Prüfung zugelassen werde).

      Nach der Ausbildung ist es Tariflich auch geregelt.
      2018:
      LF7 Ausbildung: 2380€
      LF6 Bereitsteller: 2530€
      LF5 Lokführer/Triebfahrzeugführer: 2737€ natürlich in Brutto ohne Zulagen,Weihnachtsgeld etc.

      39Std/Woche ja, 2045,xx max im Jahr. Also bei der Bahn kann du dich locker auf 40-60 Tage Urlaub einstellen wenn du alles richtig machst .
      Was den Urlaub in der Ausbildung angeht sieht es schlecht aus. Wenn ihr euch einigt in der ganzen .Gruppe mit dem Teamleiter könnte was gehen. Ich habe Glück gehabt und wir haben zur Weichnachten 2 Wochen bekommen.

      Als Lokführer kannst du dir sicher sein das du immer Arbeit finden wirst, der derzeitige mangel hat sehr viele Gründe. (Frühere Sparpolitik, Unterbezahlung für die Verantwortung). Ich finde mann muss den Job lieben.

      Zur deiner letzten Frage. Heute hast du ja Triebzüge Wendezüge und meistens bist du der einziger Tf außer jemand fährt als Gastfahrt mit dir rum.
      Der Simulator ist in ordbung dort wirst du geprüft ob du das gelernte auch umsetzen kannst und später zur Auffrischung der Theorie. Jedes Jahr 2 Stunden oder alle 2 Jahre 4 Stunden und Bahnartzt alle 3 Jahre.

      und ja stell dich schonma ein das Autonome fahren wirst du nich vor Rente erleben ich glaube dann würde die Bahn pleite gehen Das ist nur eine Idee für die Zukunft.....


      Gruss
      Hallo euch beiden,

      vielen dank für eure Unterstützung.

      Ist dies den wirklich so das die 9 Monatige Schulung ähnlich der 3 Jährigen ist vom dem Stoff, da erklärt es natürlich die menge an Lernstoff der in so kurzer zeit ins Gedächtnis muss.
      Habt ihr hier irgendwelche Tipps, wo liegen die Schwerpunkte und kann man schon vorab etwas lernen?

      Aber ich muss dazu auch sagen dass meine Bewerbung erst abgeschickt wurde, ob es eine zusage gibt oder ich den tauglichkeitstest bestehe steht noch in den Sternen.

      Mit der dem Beruf Lokführer konnte ich früher eigentlich nie viel anfangen.
      Ich wollte früher immer in die Luft, diese Abläufe und das bedienen der vielen Instrumente sowie das sichere führen eines so großen Fortbewegungsmittel hat mir am Simulator sehr viel spaß bereitet. aber beruflich ist es ganz anders gekommen, ich habe ein Handwerk erlernt und bin letztendlich im sozialen Bereich gelandet und ich verdiene ganz gut Geld damit.
      Jetzt habe ich aber gesehen das man diesen beruf in 9 Monaten erlenen kann und je mehr ich darüber lese desto mehr Interesse wird in mir geweckt.

      Wird man jetzt nach der Ausbildung in LF5 vergütet, wie hoch sind den im durschnitt die Zuschüsse?
      kann mir darunter nicht viel vorstellen, 200€ oder 400€ ?

      39 Stunden / Woche ist ja super, ich ging von 40 aus sowie öfters Überstunden...
      Der Urlaub hat sich nicht auf die Ausbildung bezogen, dort brauche ich keinen abgesehen vielleicht um zu lernen.
      Aber nach der Ausbildung möchte ich unbedingt verreisen und 4 Wochen oder gar mehr am stück sind da bei mir einfach sehr wichtig.

      Fahren eigentlich nicht schon in der Schweiz Züge ohne Lokführer oder sonnst wo auf der Welt ?
      Na ich hoffe das man hier auch in der Zukunft vernünftig bleibt und den Menschen im Führerhaus lässt.

      Vielen Dank euch beiden.

      Beste Grüße
      Nopal